Leben

Magda Bittner-Simmet

Magda Bittner-Simmet wurde am 16. Oktober 1916 als Maria Magdalena Eleonora Simmet in Erding geboren.

Sie stammt aus einer alten und angesehenen Erdinger Bürgerfamilie. Während des 1. Weltkriegs verbrachte sie mit ihrer Mutter die ersten Lebensjahre zunächst bei den Großeltern in Erding. Nach Kriegsende zogen sie zu dem aus dem Krieg heimgekehrten Vater nach München.

Ihre Schulausbildung beendete sie 1936 mit dem Abitur am Münchner Luisengymnasium. Der Vater hatte als Oberstudienrat gutbürgerliche Lebensvorstellungen für die einzige Tochter und so absolvierte sie eine Ausbildung zur Kurz- und Schönschriftlehrerin. Die musisch begabte junge Frau sah ihren Lebensweg jedoch eher im künstlerischen Bereich. Nach einer zweisemestrigen Stippvisite an der Münchner Modeschule begann die junge Magda 1938 gegen den Willen des Vaters ihr Studium an der Akademie für Angewandte Kunst in München. Damals noch durchaus eine Besonderheit, schließlich gewährte die Münchner Kunstakademie erst 1920 Frauen überhaupt den Zutritt. Um sich ihr Studium zu finanzieren, arbeitete die zielstrebige Studentin gleichzeitig als Fachlehrerin für Kurz- und Plakatschrift sowie als Zeichen- und Werklehrerin.

Die künstlerische Ausbildung von Magda Bittner-Simmet fiel in die Zeit des Nationalsozialismus und wurde so unweigerlich beeinflusst von der herrschenden nationalsozialistischen Kunstideologie. Sie studierte unter anderem bei Fritz Helmuth Ehmcke, Elsa Brauneis und Karl-Heinz Dallinger. 1944 schloss sie ihr Studium mit einem Erfolgsdiplom ab und verwendete ihren Titel „akademische Kunstmalerin“ seitdem mit Stolz.

Nach Kriegsende suchte sie trotz der allgemein schweren Lebens- und Arbeitsumstände beharrlich weiter ihre eigene Sprache der Malerei, die nun ihrem persönlichen Ausdruckswillen entsprechen sollte. Um ihren Porträtstil weiter zu verfeinern, wurde sie 1951 nochmals Gaststudentin bei dem für dieses Genre hochgeschätzen Münchner Akademieprofessor Hans Gött.

1947 heiratete sie den Arzt Max Bittner, der noch im selben Jahr tragisch an einer Medikamentenvergiftung verstarb. Die junge Witwe wagte den Schritt in die Selbständigkeit als freischaffende Künstlerin in München und bezog ihr erstes Atelier im Herzen Schwabings in der Leopoldstraße 38.

Ihren Lebensunterhalt sicherte der Verkauf ihrer beliebten Aquarelle sowie zahlreiche Porträtaufträge. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben ihr Modell gesessen. Magda Bittner-Simmet wurde in den 50er Jahren zu einer geschätzten Malerin und gefragten Porträtistin. 1972 erbaute sie ein Wohnhaus am Schwabinger Bach und bezog dort im Dachgeschoss die großzügige Atelierwohnung mit Blick in den Englischen Garten.

Als gebildete und charmante „bayrische Lady“ war sie in der Hautevolee der Wirtschaftswunderjahre willkommen. Gewandt und auch mit unternehmerischem Geschick verkehrte sie mit vielen Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Wirtschaft und inszenierte sich immer mehr als Künstlerfürstin am Schwabinger Bach.

Für ihr künstlerisches Werk sowie für ihr kulturpolitisches Engagement wurde Magda Bittner-Simmet mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt: 1979 erhielt sie die Pygmalion-Medaille der Kunststiftung der Deutschen Wirtschaft. 1989 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz „auf Grund ihres unermüdlichen Einsatzes für die Interessen der bildenden Künstler in Bayern“. Magda Bittner-Simmet engagierte sich als Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler, des Seerosenkreises und als Mitglied und mehrjährige Vorsitzende der Gruppe der bildenden Künstlerinnen in der GEDOK München für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für künstlerisches Schaffen von Frauen, insbesondere für die soziale Absicherung von Künstlerinnen.

Im Laufe ihres Lebens unternahm die weltoffene und reiselustige Künstlerin immer wieder ausgedehnte Malreisen, die sie nach Italien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Norwegen sowie Sri Lanka und in den Fernen Osten führten. Auf diesen Reisen entstanden stimmungsvolle Skizzen, Aquarelle und Ölgemälde.

Doch ihre Heimat blieb München. Über 35 Jahre lebte und arbeitete die Malerin in ihrem Künstlerhaus am Schwabinger Bach. Dort malte und zeichnete sie bis ins hohe Alter. Magda Bittner-Simmet verstarb im Alter von 92 Jahren am 22. März 2008 in Starnberg.

Ihre letzte Ruhestätte fand Magda Bittner-Simmet in ihrer Geburtsstadt Erding auf dem Friedhof St. Paul umgeben von den Grablegen bedeutender Erdinger Persönlichkeiten und Künstler. Der Kirchenmaler Wilhelm Böck übertrug 2011 die Farbenwelt der akademischen Kunstmalerin für die Neugestaltung des historischen Kreuzes auf dem Familiengrab. So erinnert heute nicht nur ihr künstlerischer Nachlass, sondern auch die Grabstätte an das Motto der Künstlerin: „Malen ist ein Fest der Farbe“.